Im folgenden gebe ich
einen Überblick über verschiedene Krankheitsbilder, bei denen Psychotherapie hilfreich sein kann, eine wesentliche Besserung oder sogar Heilung bringen kann.
Voranzustellen ist die Tatsache, daß die Geschichte der Psychotherapie in Deutschland wesentlich durch drei Einflüße geprägt wurde.
1. Die ersten 3 Jahrzehnte diesen Jahrhunderts gingen die größten Impulse von der Psychoanalyse aus.
2. Die Flucht aller jüdischen Psychoanalytiker, das Verbot der Psychoanalyse im dritten Reich, und die bis heute ungenügende Integration und Kooperation zwischen Psychiatrie und Psychotherapie.
3. Die extreme biologische Orientierung der deutschen Psychiatrie, die ihre Wurzeln noch in der Zeit der Naziherrschaft hatte (Von den 1939 dreihundert führenden deutschen Psychiatern, Uni-Professoren und Chefärzte, hatte sich nur einer gegen die Vernichtung von über 300000 deutsche Psychiatriepatienten durch Verhungern und Vergasen gestellt. Übrigens ohne wesentliche negative Konsequenzen für diesen. Die selben Psychiater führten nach 1945 die Lehre und Ausbildung an den deutschen Unis weiter und waren so auf Grund ihrer biologischen und genetischen Fixierung unfähig, Psychotherapie und Psychiatrie zu integrieren.
Dies hatte zur Folge, daß Menschen mit sogg. psychiatrischen Schwierigkeiten (Psychose, Schizophrenie, Manisch Depressive Erkrankung) bis heute, bis auf wenigen Ausnahmen eine adaequate psychotherapeutische Begleitung und Therapie versagt bleibt.
Darüber hinaus hat die Medizinalisierung des Psychotherapiebetriebes den unliebsamen, negativen Nebeneffekt, daß heute nur zwei Verfahren (Verhaltenstherapie und psychoanalytische Therapie) bis zu einer gewissen Stundenzahl von den Krankenkassen bezahlt werden, daß aber innovative Verfahren, obwohl sie vielfach effektiver sind, von Kassenpsychotherapeuten nicht angeboten werden.
Eine ähnliche Spaltung wie zwischen Psychiatrie und Psychotherapie können wir auch auf dem Gebiet der Diagnostik feststellen.
Auf der einen Seite gibt es eine rein beschreibende Diagnostik, welche Menschen nach beschreibbaren Symptomen in möglichst viele Schubladen einordnet, welche aber das subjektive Erleben des Menschen völlig vernachlässigt, sozusagen ohne Rücksicht auf Erleben, Gefühle und Befindlichkeit des Betroffenen. Er wird zu einem objektiven Untersuchungsgegenstand reduziert.
Auf der anderen Seite gibt es eine verstehende diagnostische Vorgehensweise, welche versucht den Menschen und sein subjektives Erleben ernst zu nehmen. Grundlage dieser "subjektiven Diagnostik" ist das Verständnis, daß Menschen im Laufe ihrer Lebensgeschichte Beziehungen verinnerlichen, spezifische Beziehungsmuster, daß sie eine Lerngeschichte haben Menschen zu begegnen und daß sie auch lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen. Es gibt aber zwischenmenschliche "gewaltsame" Begegnungen, welche Menschen so viele überwältigende, traumatisierende Gefühle machen, daß sie entweder in eine seelische Lähmung verfallen, oder daß sie Symtome (Zwangshandlungen, Depression, Angstzustände, Suchtverhalten, sexuelle Störungen, etc.) entwickeln.
Eine Methode psychische Krankheit-Gesundheit zu diagnostizieren ist, die Störung auf einer gleitenden Skala anzuordnen, wie sehr der Mensch in seiner Fähigkeit realitätsgerechte Beziehungen zu Menschen und Aufgaben zu gestalten gestört ist.
Eine andere ist, in welchen Ausmaß ein bewußter oder unbewußter Konflikt einen Menschen davon abhält seine Möglichkeiten zu Leben.
Eine dritte ist, gemäß des Ausmaßes seiner Entwicklungsdefizite.
Zu jeder vollständigen Psychodiagnostik eines leidenden Menschen gehört aber auf jeden Fall auch, seine konstruktiven Persönlichkeitsanteile zu erkennen. D.h., was kann er, was sind seine Stärken, was sind seine Interessen und Fähigkeiten, was hat er bereits gelernt, seine Lernfähigkeit, seine Fähigkeit Visionen zu entwickeln, die Dinge mit Abstand zu betrachten, ist er fähig Freundschaften zu pflegen, ist er fähig stabile, tragfähige Beziehungen zu unterhalten, ist er konfliktfähig oder werden Unstimmigkeiten unter den Teppich gekehrt.